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Ausstellung: "Grimmige Nachrichten"

Grimms Märchen neu aufbereitet von Burgi Kühnemann

Ausstellungs-Eröffnung:
Sa 20.2.2010, 15.00 Uhr

Dauer der Ausstellung: 20.2. – 6.6.2010

Die Buchkünstlerin Burgi Kühnemann (*1935) schafft seit vielen Jahren sehr eigene, teils opulent farbige, teils in düsteren Farben gehaltene Unikatbücher, in denen sie altbekannte Geschichten mit gegenwärtigen Bezügen verquickt. Sie bearbeitet dafür mit großem Vergnügen alte Bücher aller Art, wie zum Beispiel Kontorbücher, Atlanten aber auch Fotobände und Kunstkataloge, die sie teils übermalt, teils aber auch, soweit im Kontext passend, optisch einbezieht. Bevorzugte Themen sind Fabeln und Märchen, die sie unter Hinzufügung von allbekannten medial verbreiteten Gesichtern aktuell aufbereitet, neu erzählt und dabei pointiert zeitnah interpretiert.

2008 entstanden nun 23 Ausgaben „Grimmige Nachrichten“ - das heißt der Inhalt von mehr als 23 Geschichten aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm finden sich zerpflückt in Form von Interviews, Aufmachergeschichten und Reportagen neu zusammengesetzt auf imitierten Zeitungstitelblättern wieder. Die Artikel sind überschrieben mit „Deutschland sucht das Super-Rotkäppchen“ - „Treuer Hund rettet Kleinkind“ - „Junges Gaunerpärchen des Mordes angeklagt“ oder auch „Brüderchen und Schwesterchen – eine Inzeststory?“. Der Inhalt der Artikel bezieht sich eindeutig auf das Geschehen in den zugrundeliegenden Grimmschen Märchen, übersetzt sie aber nicht nur in unsere heutige Sprache, sondern auch in eine Bildsprache, die von den gegenwärtigen Medien geprägt ist. Zum einen durch Verfremdung, zum andern durch plakative Darstellung wird deutlich, wie allgemein gültig und nach wie vor zeitnah aus dem Leben gegriffen die Märchenmotive sind.

Die „Grimmigen Nachrichten“ werden in Bad Oeynhausen erstmals gezeigt. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Susanne Padberg, Galerie DRUCK & BUCH, Tübingen, die sich auf Arbeiten von Buchkünstler/innen spezialisiert hat.

Buchempfehlung: "Bildermärchen - Märchenbilder"

Illustrationen zu Grimms Märchen 1819–1945
Über einen vergessenen Bereich deutscher Kunst
Von Regina Freyberger


(Artificium – Schriften zu Kunst und Kunstvermittlung, herausgegeben von Kunibert Bering, Bd. 31)

ATHENA-Verlag, Oberhausen
1. Auflage 2009
672 Seiten mit 700 schwarzweißen und 72 farb. Abb., Format 32 x 24 cm
ISBN 978-3-89896-350-3
Hardcover, 72,00 Euro



Seit ihrem Erscheinen im Jahr 1812 wurden die Grimmschen Märchen im deutschsprachigen Raum immer wieder ins Medium des Bildes überführt: Künstler schufen Gemälde und Skulpturen zu Aschenputtel, Dornröschen, Rotkäppchen und anderen, halfen sie auf Opern- und Theaterbühnen sprichwörtlich zu ›verlebendigen‹ und stellten in zahlreichen Büchern und Bilderbogen ihre Illustrationen gleichwertig neben den Text. Ihre Märchenbilder schaffen Bildermärchen, die ›gelesen‹ werden wollen, die erzählen und interpretieren. Gleichzeitig geben sie Aufschluss über die Illustrationspraxis im 19. und frühen 20. Jahrhundert, verraten viel über die damalige Rezeption der Märchen und die damit verknüpften nationalen und eskapistischen Sehnsüchte der Zeit.
Wie die Bildermärchen der Künstler, ihre Erzählungen und Interpretationen im Einzelnen aussehen, wie sie sich über die Jahre entwickeln, vom Text der Brüder Grimm lösen und sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer verbindlichen Bildtradition verfestigen, ist Thema des vorliegenden Buches. Deutlich wird dabei, wie sehr die Bildlösungen von damals noch heute unsere Vorstellungen von der Märchenwelt prägen.
Mit bio-bibliographischem Katalog der nachweisbaren Künstler und Werke.
Ausgezeichnet mit dem Lutz-Röhrich-Preis 2009 der Märchen-Stiftung Walter Kahn (München).